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Taschenbuch ISBN: 978-3-946381-17-4 208 Seiten Preis: 11,95 € E-Book ISBN: 978-3-946381-18-1 (mobi) ISBN: 978-3-946381-19-8 (epub) Preis: 6,49 €
“Wahneswogen” von Maximilian Goldenfeld
Kurzgeschichtensammlung über die Facetten des Wahnsinns
Inhalt mit kurzen Textauszügen:
Mehlfäden … Das Brummen hinter der abgeschlossenen Tür schälte sich, zwängte sich aus seinem Blendwerk und die Männer begannen gewahr zu werden, dass es sich dabei um gemurmelte Worte handelte. “Meine Diamanten brauchen mich … Meine Diamanten brauchen mich …” Mit der Regelmäßigkeit eines defekten Plattenspielers sprach eine Stimme diesen Satz, die wie Karl klang - allein solchergestalt, als füllten seinen Mund Mehl und Staub. …
Colt-Collin … “So kalt, dunkel und schwarz”, sprach das Etwas. “Weißt du, was wir nun machen, Colt-Collin?” Der Mann schwieg. Er presste seine Zeigefinger in die Ohren, bis er Schmerz verspürte. “Kalt, dunkel und schwarz - wie deine Seele, Colt-Collin.” Die Stimme war kaum mehr als das Säuseln eines Baches im Herbst. “Sieh mich an!”, forderte die Gestalt. Der Mann wimmerte, schüttelte den Kopf und wühlte seine Finger noch tiefer in seine Gehörgänge. “Bringt dir das was? Ich fresse mich in deinen Verstand. Du hörst mich, auch wenn ich deine Trommelfelle verbrenne. …
Der Messermann … Frank war der Einzige, der dieser Idylle mit Zweifel begegnete. Weshalb sollte es hier unten so etwas Schönes geben? Zwar über- legte er, sich gleichfalls der Harmonie hinzugeben, aber dann hörte er Messerschaben, das weder von ihm noch von seinen Freunden kam. Es mussten Hunderte von Messern sein - vielleicht sogar Tausende. Allein Frank schien es zu vernehmen. Anscheinend tötete die Idylle das Hörvermögen seiner Freunde, erstickte es wie mit einem parfümierten Kissen, während sich in Franks Ohren alles zu irren Phrasen formte. …
Nachtklaue … Lisa nickte, schluckte und wusste, ehe sie um Hilfe schreien könnte, läge sie tot zwischen den Beinen dieses Tisches, an welchem gerade die Romantik wich und der Horror spross. Roy schritt auf und ab. Sie hörte mit Terror im Inneren, wie er “Hiatus” vor sich hinflüsterte. Niemand wusste, wieso er genau dieses Wort zu sagen pflegte, wenn seine Wut auszubrechen drohte oder gar bereits ausbrach, doch Lisa hatte mit der Zeit gelernt, es zu fürchten. … …“Als blicke man in die Augen einer lächelnden Puppe - keine Gefühle, nur Kälte und Seelenfrost.” …
Dies ist Staatseigentum! … Mia beschloss zu vermitteln und sagte: “Bitte, hören Sie zu! Dieser Mann ist etwas … eingeschränkt. Er weiß nicht, dass es verboten ist, Exponate anzufassen. Eigentlich passe ich immer auf ihn auf, aber heute …” “Dies ist Staatseigentum!”, quiekte der Wachmann wieder. Seine Halbglatze glänzte im Licht, Schweißperlen rannen seine Wangen herab und verfingen sich im Gestrüpp seines Vollbarts. Seine Augen huschten hin und her, und er schürzte die Lippen wie ein Irrer, der er offensichtlich auch war. …
Pranken … Auf dem Beifahrersitz saß ein dicker Junge, einen Stoffgorilla in der Hand haltend. Das Kind drängte sich an den Rand des Sitzes, blickte in die graue Kälte und hoffte, seine Mutter würde ihn heute verschonen. Er mühte sich, seinen stets leicht keuchen- den Atem zu beruhigen, möglichst Stille einkehren und sie ver- gessen zulassen, dass er da war. … … Sie - er hasste es, auch nur an ihren Namen zu denken, deshalb nannte er die Frau neben sich einfach nur sie - merkte, wie er den Mantel enger um sich schlang, und drehte die Klimaanlage auf Anschlag. Der Wagen kühlte aus, was allein ihn störte - die Frau wärmte ihr Hass. …
Geschmolzen … “Er lag da wie ein irrer Hybride aus diesen Science- Fiction-Filmen. Die Lippen nach oben geklappt - ja, geklappt -, sodass die Zähne mir entgegenblitzten. Sein Gesicht entstellte dieser Krampf, dieser Zorn aus dem Inneren, der sich in Dampfhammerschlägen entlud. Ich habe dann gebrüllt, dass er sich beruhigen sollte, denn ich sah, wie er die Dampfhammerschläge gegen das eigene Gesicht richtete. Das gab ein Geräusch, als klopfte man eine Kokosnuss. … Aber das war es nicht!” Clawday schrie den letzten Satz unvermittelt. Er krallte sich an die Schreib- tischplatte, und für einen Moment war er der Krampfende. Seine Lippen klappten - ja, klappten - nach oben und legten die Zähne frei. …
Zugzwang … Johann sah vor seinem inneren Auge, wie er sich dabei auf die Schenkel schlug. Geschockt sank er auf die Knie. Angst fraß ihn. Dann stand er wieder auf und wandte sich seiner Truppe zu. Der Wille zu kämpfen brach in den Augen seiner Mitstreiter. Nur Heiner drängte sich an den anderen vorbei, stieß eine Faust in das Strohgesicht der Vogelscheuche erschütterte sie und schlug ihr die restlichen Fischeier aus den Augen. “Was willst du von uns? Was hast du davon, Menschen zu quälen?”, rief er dabei. …
Eiswüste … “Ich kann dir helfen, junger  Freund”, säuselte eine Stimme plötzlich durch die Kälte. Der Soldat sagte nichts, grub aber die Finger in den Schnee. “Junger Freund, ich kann dir helfen.” Mit dem Klang dieser Stimme verband der Mann sofort ein Grinsen, welches so falsch und gefährlich wie die Lichtkugel eines Anglerfischs war. “Möchtest du meine Hilfe, junger Freund? Ich kann dir helfen.” Schon jetzt begann er, die Anrede junger Freund zu hassen …
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